4: Ich führe ein Doppelleben – und jetzt?!

Rollenkoller, Wuttraining und MidlifeReset

Skizze einer Person, die sich auf Zehenspitzen vornüberbeugt, man sieht nur die Turnschuhe und den Kopf
Wechselmodell: Freiheit und Vermissen zugleich © Deutschlandradio/Ingrid Wenzel
Von Julia Keller |
Wenn die Kinder beim Vater sind, hat Julia Keller endlich Zeit für sich – und merkt, dass genau das das Problem ist.
Julia steht vor einem halb aufgebauten Ikea-Bett, zwei leeren Kinderzimmern und einem Datum: 15. Dezember. Kein Mann, der das Bett zusammenschraubt, keine Kinder im Haus, die Filmaufträge weg – und in ein paar Wochen auch die Versicherung. Bei der Agentur für Arbeit wird ihr Leben in Kästchen einsortiert: Mitte vierzig, Branchenkrise, Lücken im Lebenslauf. Die Vorschläge heißen Umschulung, Mangelberuf, Fortbildung – als wäre ein kompletter Neustart nur eine Frage von Formularen. Niemand fragt, wer das bezahlt, wer in der Zeit die Kinder auffängt und wie man mit Mitte vierzig nochmal wirklich von vorne anfangen soll. Manchmal denkt Julia: Es wäre einfacher gewesen, Vater zu sein.
Im Selbstverteidigungskurs für FLINTA lernt sie, nach außen zu schlagen, obwohl sie jahrelang nach innen geschluckt hat. Sie ertappt sich dabei, Brötchen schmieren als Liebesbeweis zu verkaufen – und merkt, wie tief sie noch in Rollenmustern steckt, von denen sie dachte, sie hätte sie längst abgeschüttelt. Und genau in dem Moment, in dem sie sicher ist, dass der 15. Dezember die Abrisskante ihres bisherigen Lebens ist, klingelt ihr Handy… 


Ich führe ein Doppelleben – und jetzt?! (4/4)
Rollenkoller, Wuttraining und MidlifeReset

Von Julia Keller
Deutschlandfunk 2026 
Regie: die Autorin 
Ton und Technik: Hendrik Manook 
Redaktion: Tina Klopp

Wiederholung am 07.04.2026, 22.05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

Julia Keller, geboren 1980 in Erding, lebt in Köln. Sie ist Filmemacherin und Autorin, studierte Film an der Kunsthochschule für Medien in Köln, wurde ausgezeichnet u.a. mit dem Förderpreis Schnitt des Deutschen Kamerapreises und dem Orka Award 2024 für ihren Kinderfilm “Lampie”, nahm an internationalen Writers’ Labs und Förderprogrammen teil – darunter dem audience:first lab, dem European Writers Desk und The OWL Athens. Sie arbeitet an filmischen Stoffen zwischen Intimität und Systemkritik – immer auf der Suche nach Geschichten, in denen das Persönliche politisch wird.

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