Was passiert, wenn nichts passiert

Untergewöhnlich

Eine praktische Übung nach Georges Perecs "Versuch einen Platz in Paris zu erfassen". Zu sehen: Place Saint-Sulpice in Paris St. Germain.
Eine praktische Übung nach Georges Perecs "Versuch einen Platz in Paris zu erfassen". © picture alliance / Gilles Targat
Von Nicole Paulsen  · 01.10.2022
40 Jahre nach Georges Perecs Text „Versuch, einen Platz in Paris zu erfassen“ wiederholt die Autorin dessen Suche nach dem Alltäglichen – nur diesmal auch mit einem Mikrofon ausgestattet. Doch plötzlich tauchen weitere Beobachtende auf …
An drei Tagen im Oktober 1974 setzte sich Georges Perec an die Place Saint-Sulpice in Paris St. Germain und notierte alles, „was passiert, wenn nichts passiert außer Zeit, Menschen, Autos und Wolken“. Daraus entstand das Buch „Versuch, einen Platz in Paris zu erfassen“. 40 Jahre später dokumentiert Nicole Paulsen mit Notizbuch und Aufnahmegerät am selben Ort, zu gleicher Zeit das „Infra-ordinaire“, das „Untergewöhnliche“, das Glanzlose, die Hintergrundgeräusche. Sie beobachtet Menschen, Autos und Wolken – und Schreibende: Im Café und neben dem Café, auf einem roten Klappstuhl und an einen Baum gelehnt. Aber dann passiert etwas Seltsames: Nach und nach tauchen weitere Notierende, Filmende, Fotografierende auf, alle auf der Spur Perecs. Aus einem persönlichen Experiment wird kollektives Beobachten, und der Platz Saint-Sulpice zu einer Art Pilgerstätte des Infra-Gewöhnlichen.

Untergewöhnlich
Eine praktische Übung nach Georges Perecs „Versuch, einen Platz in Paris zu erfassen“
Von Nicole Paulsen
Regie: die Autorin
Mit: André Jung, Caroline Ebner, Sonja Dengler, Anne von Linstow, Holger Kunkel, Stefan Roschy
Ton und Technik: Wolfgang Rein und Judith Rübenach
Produktion: SWR 2016
Länge: 54'00

Nicole Paulsen lebt in Tübingen, studierte dort und in Grenoble Wirtschafts- und Politikwissenschaften, arbeitete als Kulturmanagerin und Dramaturgin am Theater. Seit 2002 ist sie beim SWR als Regisseurin für Hörspiele und Radiofeatures tätig.

Empfehlungen