Hörspiel des Monats September 2026

Der gute Gott von Manhattan

Silhouette eines Paares vor der New York City Skyline
Im kapitalistischen Manhattan ist tief gefühlte Liebe nicht vorgesehen © WW News / Getty Images
Von Ingeborg Bachmann |
Was geschieht, wenn zwei Menschen einander radikal lieben – jenseits aller Regeln, jenseits aller Vernunft? Und wer oder was sorgt dafür, dass genau das nicht geschehen darf?
Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste benannte „Der gute Gott von Manhattan“ zum Hörspiel des Monats September 2026.

Die Begründung der Jury

„Der Gute Gott von Manhattan“ von Ingeborg Bachmann, in der Bearbeitung und Regie von Elisabeth Weilenmann ist das Hörspiel des Monats September 2026. Die behutsame Inszenierung bleibt der literarischen Vorlage treu und schafft eine einzigartige Verbindung von Sprache, Klang und Handlung, ohne vor einem bedeutenden Werk der deutschsprachigen Hörspielkunst zurückzuschrecken. Die minimalistische Musik von Anna Bauer verortet das Geschehen sowohl im New York der sechziger Jahre als auch zeitlos im Heute, vor allem durch die technisch verfremdeten Vocal-Arrangements, die entscheidend die intimen und auch beklemmenden Momente des Stückes tragen. Ein Ansatz, der an die Filmkomposition von „Rose“ erinnert und bemerkenswert Intimität und Grenzsituation vereint. Damit trägt die Musik entscheidend dazu bei, die Erzählebenen des Stückes sowohl zu definieren als auch zu verbinden und diesen Text in die Gegenwart zu übertragen - eine Gegenwart, die leider noch immer von Femiziden gekennzeichnet ist, in der noch immer vor allem Frauen für den Ausstieg aus gesellschaftlich Konventionen bestraft werden und „Schweigen bis zuletzt“ als „Lösungsstrategie“ nach wie vor die Norm ist.
Die Jury und der gastgebende Sender 2026
Olga Grjasnowa, Schriftstellerin Masha Qrella, Musikerin Gastgebender Sender: Deutschlandradio

Der gute Gott von Manhattan
Von Ingeborg Bachmann
Bearbeitung und Regie: Elisabeth Weilenmann
Mit: Markus Hering, Roland Koch, Max Simonischek, Marie-Luise Stockinger, Alina Fritsch, Lukas Watzl, Alois Frank, Markus Meyer, Katja Holm, Maria Happel, Nils Arztmann, Martin Zauner, Oskar Weilenmann
Komposition: Anna Bauer
Ton und Technik: Anna Kuncio und Simon Dünser
Regieassistenz: Alexandra Wimmer
ORF/Deutschlandfunk 2026
Länge: 54‘40

Ingeborg Bachmann (1926–1973) war 1951 bis 1953 Rundfunkredakteurin in Wien und lebte danach als freie Schriftstellerin in Italien, München und Zürich. Sie schrieb Lyrik, Prosa, Libretti, Essays, Hörspiele und arbeitete als Übersetzerin. Zu ihren zahlreichen Auszeichnungen gehört der Georg-Büchner-Preis (1964).

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