Live-Performance im Kammermusiksaal

    Making of: MENSCHHEIT

    Eine Gruppe von Mensche sitzen im großen Hörspielstudio auf der Erde - Vorbereitungen zu "Making of Menschheit"
    Vorbereitungen zu "Making of Menschheit" im Kölner Hörspielstudio des Deutschlandfunks © Nathan Pramoediya Ishar
    Von Philine Velhagen und Felizitas Stilleke |
    Es war einmal... die Menschheit. Doch wie klang sie? Live schließt das Publikum Lücken im Tonarchiv der Weltgeschichte.

    Live Performance im Kammermusiksaal am 27.3.2026 um 19.15 Uhr

    Es war einmal… die Menschheit. Doch wie klang sie?
    Am ersten Abend des Kölner Kongresses wagen Felizitas Stilleke und Philine Velhagen ein Experiment: Live vor Ort im Kammermusiksaal des Deutschlandfunks und von da direkt in den Äther wollen sie gemeinsam mit dem Publikum Lücken im Tonarchiv der Weltgeschichte schließen. Die Lücken nämlich, die das Patriarchat über Jahrtausende in den Soundarchiven der Welt hinterlassen hat.
    Stellt man sich den Sound der Steinzeit vor, haben wir Hollywoodfilme wie „Am Anfang war das Feuer” oder „10.000 B.C.” im Ohr, die den Anschein erwecken, die Prähistorie war bevölkert von jagenden, grölenden und kämpfenden Männern. Zeit für Neuaufnahmen! 
    Denn: Wo steht eigentlich geschrieben, dass in der Steinzeit Männer jagten und Frauen sammelten? Archäologische Befunde zeigen längst: Alltag, Arbeitsteilung und Sorge verliefen oft gleichberechtigt. Und doch fehlen die Töne dazu: keine jagende Frau, kein sorgender Neandertaler, kein gemeinsames Aushandeln. Historische Geräusche, die von patriarchaler Macht übertönt und verschluckt wurden.
    Philine Velhagen und Felizitas Stilleke von Drama Köln bitten das Publikum, sich genau für diese Neuaufnahmen zur Verfügung zu stellen, Expertinnenrat dafür bekommen sie u.a. von der Sachbuchpreisträgerin Ulli Lust und von Gertraud Klemm, der Autorin der Streitschrift „Abschied vom Phallozän“. 
    In diesem einstündigen Live-Experiment diskutieren und vertonen die Autorinnen gemeinsam mit dem Publikum und ihrem Team akustische Ursprungsszenen der Menschheitsgeschichte neu. 


    Live-Performance: Gertraud Klemm, Ulli Lust, Felizitas Stilleke, Philine Velhagen, Oleg Zhukov, Sprechensemble, das Publikum u.a.
    In Kooperation mit Drama Köln e.V., gefördert durch das Kulturamt Köln
    Konzept und Idee: Felizitas Stilleke und Philine Velhagen
    Ton und Technik: Michael Morawietz, Christoph Rieseberg, Wolfgang Rixius, Marcell Christmann und Lukas Fehling
    Regieassistenz: Paula Pohlus
    Produktionsleitung: Marcel Mosel
    Aufnahmeleitung: Anna Seibt
    Redaktion: Tina Klopp
    Deutschlandfunk 2026
    Länge: ca. 54’30

    Philine Velhagen und Felizitas Stilleke
    Philine Velhagen und Felizitas Stilleke © Nathan Pramoediya Ishar

    Felizitas Stilleke ist freie Dramaturgin, Künstlerin und Kuratorin. Seit über 15 Jahren programmiert sie Theaterfestivals und leitet kulturpolitische Konferenzen. Seit 2020 veröffentlicht sie autofiktionale Podcast-Sessions und Features, in denen sie vermeintlich private Themen wie ihre Scheidung, Nicht-Mutterschaft oder die Demenz ihres Vaters einer öffentlichen Diskursumwidmung unterzieht. Beim Deutschlandfunk hat sie "Das Sakrament der Scheidung" sowie die Serie "Goodbye Stranger" veröffentlicht.

    Philine Velhagen erforscht in ihren Hörspielen, Features und partizipativen Theaterarbeiten die Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem - oft in Form radikaler Selbstversuche.
    Mit ihren partizipativen Theaterprojekten ist sie auf verschiedenen Festivals wie FAVORITEN, HAUPTSACHE FREI und POLITIK IM FREIEN THEATER eingeladen worden. Unter ihrem Pseudonym Karen Muster gewann sie 2024 den Robert Geisendörfer sowie den dokka Preis. 

    Ulli Lust, österreichische Comiczeichnerin, Illustratorin und Autorin, lebt seit vielen Jahren in Berlin. In ihren Arbeiten verbindet sie autobiografische, dokumentarische und gesellschaftspolitische Fragestellungen mit einer feministischen Perspektive. Für ihren Sachcomic „Die Frau als Mensch. Am Anfang der Geschichte“ wurde sie 2025 als erste Comic-Autorin mit dem Deutschen Sachbuchpreis ausgezeichnet. Mit dem Fortsetzungsband "Die Schamaninnen", der im März 2026 erscheinen soll, will sie das Projekt fortsetzen. Neben ihrer künstlerischen Arbeit ist Ulli Lust als Professorin tätig und engagiert sich für Comics als kritische und emanzipatorische Kunstform.

    Gertraud Klemm, österreichische Schriftstellerin und feministische Denkerin. In ihren literarischen und essayistischen Arbeiten verbindet sie gesellschaftspolitische Analyse mit einer feministischen Haltung. In ihrer 2025 erschienenen Streitschrift „Abschied vom Phallozän. Ein feministisches Manifest“ ruft die studierte Biologin offiziell das Ende des Zeitalters des Mannes aus und fordert ein radikales Umdenken in Politik, Wissenschaft und Alltag. Neben ihrer schriftstellerischen Arbeit beteiligt sich Gertraud Klemm engagiert an öffentlichen Debatten zu Feminismus, Machtstrukturen und gesellschaftlichem Wandel.

    Mehr zum Thema