Hörspiel: Annäherung an einen fast fremden Vater

Satellitenbilder deiner Kindheit

52:45 Minuten
Vater und Sohn mit dem Rücken zur Kamera
© imago images/Westend61
Von Leon Engler · 11.01.2023
• Hörspiel des Monats • Der Sohn erinnert sich an den Vater: „unauffällig wie eine Parkuhr“. Immer hat er gearbeitet, nun lebt er sehr bescheiden. Dann legt er seine Autobiografie vor. Und die bricht mit der Geburt des Sohnes plötzlich ab.
In der Mythologie kündigt die Geburt des Sohnes nicht selten den Tod des Vaters an – Odysseus, Kronos, König Laios und Darth Vader würden es bezeugen, hätten ihre Söhne sie nicht umgebracht. Im Hörspiel findet der Sohn diese Auslöschung auch bei seinem Vater und will sie rückgängig machen. Also gräbt er dessen Geschichte wieder aus und merkt, dass sich in seinem Leben die letzten Jahrzehnte unseres marktwirtschaftlichen Systems spiegeln: Je freier die Märkte, umso größer die Zwänge seines Vaters, einer schlecht bezahlten Arbeit nachzugehen, vielfach umzuziehen, im Alter in Armut zu leben. Die biografischen Turbulenzen weisen seltsame Zusammenhänge mit dem Aufstieg des Neoliberalismus auf. Erklärt dies die Schwierigkeiten der Vater-Sohn-Beziehung?
„Satellitenbilder deiner Kindheit“ war Hörspiel des Monats Februar 2022.

Satellitenbilder deiner Kindheit
Von Leon Engler
Regie: Jörg Schlüter und der Autor
Mit: Niklas Draeger, Nagmeh Alaei, Paula Essam, Silke Linderhaus, Steffen Reuber
Komposition: Leon Engler
Ton und Technik: Gertrudt Glosemeyer, Jens Peter Hamacher
Produktion: WDR 2022
Länge: 52'39

Leon Engler, geboren 1989 im Ostallgäu, ist Theater- und Hörspielautor. 2011 war er ausgewählter Teilnehmer der Schreibklasse „fundamentals of poetry“ in Finnland, 2011/2012 Leistungsstipendiat der Universität Wien. Theaterstücke u.a. „X Jahre Kriegsfreiheit“ (Nachwuchspreis des Theaters Drachengasse 2013), „Die Benennung der Tiere“ (2018 beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens). Hörspiele u.a.: „Wasserstoffbrennen“ (Deutschlandradio Kultur 2016), „Das Gold am Arsch des Regenbogens“ (FELI AND FRIENDS 2019), „Hummer & Durst“ (Deutschlandfunk Kultur 2020). 2022 erhielt er bei den 46. Tagen der deutschsprachigen Literatur“ (Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb) den 3sat-Preis.

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