Lob der Lücke

    Zwischen-Raum

    54:24 Minuten
    Zwei Menschen halten 1,5 Meter Abstand.
    Was hilft um sich vor ansteckenden Krankheiten zu schützen? Abstand halten. © Imago / Westend61
    Von Ulrich Biermann und Veronika Bock · 28.11.2021
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    Im März 2020 begann das Leben auf Distanz. Seitdem gilt es Abstand zu halten. Wir wissen um den Zweck der Distanz im Kampf gegen das Virus, klagen aber über fehlende Nähe. Der Abstand wird zur unliebsamen Regel, die manche lieber heute als morgen abschaffen möchten. Dabei ist der Abstand schon immer präsent gewesen, in der Natur, aber auch in der Kultur der Menschen. Und das ist äußerst sinnvoll.
    Wir sind soziale Wesen, brauchen die Nähe, das Gruppenerlebnis, dennoch lehrt schon die Fahrschule: halber Tacho! Bei 100 Stundenkilometern Geschwindigkeit reichen 50 Meter Abstand so gerade, um gefahrlos zu bremsen. Darunter wird die Nähe potenziell schmerzhaft bis tödlich.
    Nicht drängeln lernen wir im Kindesalter, auch weil die Distanz zwischen zwei Menschen abhängt vom Grad ihrer Intimität. Nur Vertraute mit besonderer Erlaubnis lassen wir näher als 60 Zentimeter an uns heran. Zu viel ungewünschte Nähe macht Stress, das wissen Anthropologie, Psychologie und Kommunikationswissenschaft. Minimale Distanzen entscheiden im Hip-Hop über Flow oder Flop.
    Auch zugroßeNähezwischendenBuchstabenoderWortenstresst, oder verständlicher: Zu große Nähe zwischen Buchstaben oder Worten stresst, wir verstehen nichts, wenn der Abstand zu klein wird. Wir brauchen Distanz - schließlich sind wir soziale Wesen.

    Zwischen-Raum
    Lob der Lücke
    Von Ulrich Biermann und Veronika Bock

    Regie: Susanne Krings
    Es sprachen: Rebekka Madita Hundt und Volker Hengst
    Ton und Technik: Gunther Rose, Caroline Thon, Jens Müller, Hendrik Manook, Lukas Fehling

    Redaktion: Klaus Pilger
    Produktion: Deutschlandfunk 2021