Das unwahrscheinliche Leben des Songtexters Fred Jay

Im Zug nach Nirgendwo (2/2) - Einsamkeit hat viele Namen

54:34 Minuten
Der Sänger Christian Anders singt bei der ZDF Hitparade.
Die ZDF HITPARADE mit Christian Anders. © imago images/United Archives
Von Fabian Gerhardt und Roland Gerhardt · 24.12.2021
Audio herunterladen
Es fährt ein Zug nach Nirgendwo, Rasputin, Ti Amo – keiner hat in den 1970er Jahren so viele erfolgreiche Schlager geschrieben wie er. Und doch ist der Mann, der dem Schlager die Poesie zurückgab, ein Unbekannter. Weil er das so wollte.
Der jüdische Wiener Rechtsanwalt Friedrich Jakobsohn flieht 1938 vor den Nazis nach Paris, wo er im Striplokal Ukulele spielt. Von dort geht es weiter nach Amerika. Er hält sich zunächst als Tellerwäscher über Wasser, bis er einen Job beim Radio bekommt. Nebenbei schreibt er als Fred Jay Songtexte für Künstler wie Shirley Bassey, Percy Sledge und die Dorsey Brothers, ohne davon leben zu können. 
Anfang der 1960er geht er mit seiner Familie für die Voice of America nach Deutschland. Er sucht Kontakt zu deutschen Komponisten, aber erst nach seinem Wechsel zum RIAS in Berlin gelingt der Durchbruch: Mit fast 60 Jahren wird er einer der erfolgreichsten Songtexter Deutschlands. Er schreibt Hunderte von Texten für Schlager und Popsongs von Boney M., Howard Carpendale, Christian Anders, Michael Holm, Katja Ebstein, Marianne Rosenberg und vielen anderen. 
Und doch blieb Fred Jay ein Unbekannter – er ging nicht zu Preisverleihungen, Goldene Schallplatten holte er nicht ab. Wer war dieser Mann, der sich als Autor von „Qualitätstexten für normale Leute“ beschrieb? 
Die Autoren haben sich auf Spurensuche begeben, mit Freunden, Arbeitskollegen und Schlagerstars gesprochen. Sie zeichnen das komplexe Bild eines europäischen Intellektuellen, der nach Deutschland zurückkam, weil er ohne die deutsche Sprache und Kultur nicht leben konnte. Und der den Deutschen als Fred Jay Lieder schenkte, die ihnen halfen zu vergessen, dass sie Menschen wie ihn vor nicht allzu langer Zeit umgebracht hätten.

Im Zug nach Nirgendwo
Das unwahrscheinliche Leben des Songtexters Fred Jay
(2/2) Einsamkeit hat viele Namen
Von Fabian Gerhardt und Roland Gerhardt

Regie: die Autoren
Es sprachen: Alexander Ebeerth, Georg Scharegg, Roland Gerhardt
und Fabian Gerhardt
Ton und Technik: Alexander Brennecke
Redaktion: Tina Klopp und Jenny Marrenbach
Produktion: Deutschlandfunk/WDR 2021

Fabian Gerhardt, geboren 1971 in Berlin, ist Regisseur, Schauspieler und Autor und arbeitet für Theater, Oper, Fernsehen und Radio 

Roland Gerhardt, geboren 1965 in Berlin ist Locationscout, Autor und Regisseur und und arbeitet für Kino, Fernsehen und Radio

Mehr zum Thema