Wie klingt ein Betonklotz?

    Ivry-sur-Seine

    Ivry-sur-Seine - ein Vorort von Paris.
    Ivry-sur-Seine - ein Vorort von Paris. © picture alliance / Hans Lucas
    Von Iain Chambers  · 17.09.2021
    Der Brutalismus ist die wohl radikalste und umstrittenste Architekturströmung des letzten Jahrhunderts. Der Klangkünstler Ian Chambers übersetzt die Betonstrukturen eines berühmt-berüchtigten Pariser Vororts in Klang.
    Der kommunistisch geprägte Pariser Vorort Ivry-sur-Seine wurde Anfang der 1960er Jahre zum städtebaulichen Labor: Das Architektenpaar Renée Gailhoustet und Jean Renaudie schuf Wohnraum und orientierte sich an den damals modernen Ideen des "Brutalismus": Massive Betonbauten, ungeschönt, funktional, modular. Aber auch voller sozialer und gesellschaftspolitischer Visionen.
    Der Klangkünstler Iain Chambers hat die radikale Architektur mit seinen Mikrofonen erkundet. Für sein Hörstück lässt er Türen erklingen, Treppengeländer vibrieren, und er nutzt die Resonanzschwingung von Sichtbeton. Entstanden ist eine synästhethische Komposition, die über die Ohren taktile, visuelle und, physische Körpererfahrungen vermittelt.
    "Ivry-sur-Seine" wurde mit dem Palma Ars Acustica 2021 der European Broadcasting Union ausgezeichnet.

    Ivry-sur-Seine
    Von Iain Chambers
    Produktion: WDR 2021
    Länge: 40:05
    Im Anschluss:
    Sun-drenched
    von Staš Vrenko
    Produktion: Autorenproduktion für Radiotelevizija Slovenija 2018
    Länge: 10‘38

    Iain Chambers ist Komponist und Musikproduzent. Oft basieren seine künstlerischen Arbeiten auf Fieldrecordings und/oder architektonischen Sounds. Gesendet wurden sie unter anderem von BBC Radio 3, WDR und ABC Australia. 2019 gründete Iain Chambers das Label "Persistence of Sound", das auf Entwicklungen im Bereich der Musique Concrète spezialisiert ist.