Was mit psychisch Kranken im Maßregelvollzug passiert

    In der Dunkelkammer des Strafrechts

    43:46 Minuten
    Flur mit geöffneten Türen der Patientenzimmer in der Maßregelvollzugsklinik für psychisch kranke Straftäter in Dortmund
    Flur mit geöffneten Türen der Patientenzimmer in der Maßregelvollzugsklinik für psychisch kranke Straftäter in Dortmund © dpa / picture alliance / Bernd Thissen
    Von Carolin Haentjes und Antonia Märzhäuser · 23.11.2021
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    In den forensischen Kliniken des Maßregelvollzugs soll psychisch Kranken, die straffällig geworden sind, geholfen werden. Aber in den hochgesicherten Anstalten fehlen Standards und öffentliche Kontrolle. Für die Patientinnen und Patienten ist der Alltag ein Kampf gegen Ungewissheit, Willkür und das Vergessenwerden.
    Wer von einem Gericht für schuldunfähig befunden wird, darf nicht bestraft werden. Deswegen sind psychisch Kranke im Maßregelvollzug Patienten und keine Häftlinge. Sie sollen Therapie und Unterstützung bekommen, bis sie als ungefährlich gelten. Aber wie genau die Tausenden Menschen in den über 70 Kliniken behandelt werden, ist kaum bekannt. Klar ist nur: Wer einmal dort ist, weiß nicht, ob er jemals wieder entlassen wird.
    Das Feature begibt sich hinter die Mauern dieses abgeschotteten Systems. Menschen, die dort viele Jahre verbracht haben, berichten von Missbrauch und Willkür. Pfleger und Ärzte erzählen, wie Überforderung und schlechte Arbeitsbedingungen zu Entmenschlichung führen und was passiert, wenn die Gesellschaft wegschaut.
    Update 2021: Julian Scheele ist nach wie vor im Maßregelvollzug in Berlin. Im Mai 2021 wurde er auf eine andere Station verlegt. Er hatte laut Aussage seiner Eltern zweieinhalb Jahre keine Lockerungen. Begründet wurde das mit den Umständen der Pandemie. Anfang September 2021 konnte er das erste Mal mit einer Pflegerin das Gelände verlassen. Seine Entlassungsprognose ist nach wie vor ungewiss.

    In der Dunkelkammer des Strafrechts
    Was mit psychisch Kranken im Maßregelvollzug passiert
    Von Carolin Haentjes und Antonia Märzhäuser

    Regie: Beatrix Ackers
    Es sprachen: Martin Engler, Cathlen Gawlich, Axel Wandtke und Carolin Haentjes
    Ton: Andreas Stoffels
    Redaktion: Wolfgang Schiller
    Produktion: Deutschlandfunk 2020

    Carolin Haentjes, (geboren 1989) lebt als freie Journalistin in Leipzig. Sie produziert Features und Reportagen für die politischen Magazine des MDR und Sendungen des Deutschlandradios.
    Antonia Märzhäuser, (geboren 1989) lebt als freie Journalistin in Berlin. Sie dreht Reportagen und Magazinbeiträge für die ARD und schreibt u.a. für die FAZ und den Tagesspiegel.