Schnee auf Zitrusbäumen

Von Andreas F. Müller · 29.01.2008
Nachts heulen in dem georgischen Dorf Natanebi die Hunde den Mond an, - Ziegen, Kühe, Pferde wie Menschen scheinen noch in der friedlichen Eintracht der Schöpfung zu leben. Viele Bewohner Natanebis verdanken allein der Großzügigkeit dieser Natur ihr Überleben, denn der Zusammenbruch des Sowjetimperiums hat den ganzen Ort arbeitslos gemacht. Die prächtigen Verwaltungsgebäude der Zitruskolchose sind geplündert und verfallen, die Straße hoch zum Dorf ist kaum befahrbar.
Nur oben im halbfertigen Haus von Gujabidze ist Bewegung. Die Hochzeit der jüngsten Tochter wird vorbereitet, mit einem Deutschen, den sie als Studentin in München kennen gelernt hat. In wenigen Tagen soll die neue Verwandtschaft eintreffen und noch immer fehlt es an Fenstern, Treppengeländern, einem Waschbecken und vor allem Wasser im Haus. Unweigerlich brechen während der Ereignisse, denen der Autor folgt, auch Konflikte auf, kulturelle Gegensätze zeigen sich: Hoffnungen, Tränen, Zweifel - sie werfen auch Licht auf die Zerbrechlichkeit eines kleinen, noch immer von Großmachtinteressen zerriebenen Landes zwischen Europa und Asien.

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