Profiteur der Arisierung: Josef Knilli in Graz

    Höllenfahrt

    54:25 Minuten
    Das Kleiderhaus Josef Knilli im Jahr 1938
    Das Kleiderhaus Josef Knilli im Jahr 1938 © Friedrich Knilli / privat
    Von Friedrich Knilli · 17.07.2021
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    Die Familie Spielmann war die erste Adresse für Herrenmoden in Graz. Bis ihr Konkurrent Josef Knilli mit den Nazis gemeinsame Sache machte und sie verdrängte. Das Feature und eine begleitende Webdoku erzählen beide Seiten der Geschichte.
    Josef Knilli, der Onkel des Autors, war Hauptakteur der Arisierung des Kleiderhauses Spielmann in Graz. Er stieg auf vom kleinen Schneider in Fehring zum großen Kleiderhausbesitzer. Mal für, mal gegen die Nazis, aber immer auf seinen Vorteil bedacht. Auf den Aufstieg folgte der Sturz. Er saß viele Jahre in Gefängnissen, bereute aber nichts. Er starb unbesiegt, begleitet von Mozarts "Don Giovanni".
    Auf der Webseite derinternetlink.de erzählt Friedrich Knilli die andere Seite der Geschichte: die Enteignung, Vertreibung und Ermordung der jüdischen Kleiderhausfamilie Spielmann.
    Familie Knilli
    Familie Knilli© Friedrich Knilli / privat

    Höllenfahrt
    Von Friedrich Knilli
    Regie: Götz Naleppa
    Mit: Andreas Tobias und Helmut Mooshammer
    Ton: Thomas Monnerjahn
    Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2018
    Länge: 54'20

    Friedrich Knilli, als Friedrich Venier 1930 in Fehring/Steiermark geboren, verstorben 2022, war ein streitbarer Emeritus der Technischen Universität Berlin und seit 1953 Schriftsteller, der Provokationen liebte. Solche gelangen ihm 1955 mit einem Hörspiel im Stil der Commedia dell’arte und 1961 mit der Erfindung des Schallspiels: In seiner Dissertation "Das Hörspiel. Mittel und Möglichkeiten eines totalen Schallspiels", bezog er eine radikale Gegenposition zum damaligen "Hörspielpapst" Heinz Schwitzke, der das Hörspiel als reines Wortspiel definierte. Als er 1971 für das Drehbuch zu "Auf, Sozialisten, schließt die Reihen! Deutsches Arbeitertheater 1867–1918" mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, verspottete er die Jury bei der Preisverleihung. Die mediale Auseinandersetzung mit dem Holocaust war für ihn Verkitschung von Auschwitz.