Krüppel mit Flügeln

Vernaldi setzte sich für die Rechte Behinderter ein. © Stock.XCHNG - Elizabeth Flores
Von Paula Schneider · 20.05.2011
Ein Arzt hatte ihm gesagt: "27 wirst du, höchstens". Und dann - nichts. Also lebte Vernaldi. Pietist war der langhaarige junge Mann aus Thüringen, fromm von klein auf. In seiner urkommunistischen, stasibeäugten WG war er tagsüber Pfarrer und nachts Fetenkönig. Er übte sich in Ökologie und Opposition und durfte als Schwerbehinderter in den Westen spähen. Dann starb die DDR.
Vernaldi schrieb einen Roman, wechselte nach Berlin, rollte in neue Leben. Gehen konnte er wegen des progressiven Muskelschwunds nie. Zerbrechlich lehnt er im Rollstuhl, der Kopf hellwach. Für jeden Schluck Wasser braucht er Hilfe.

Und trotzdem greift Vernaldi sich ein Lebensthema nach dem anderen. Er fordert das Recht auf Sex für Behinderte und spricht darüber im Internet-Radio in der Reihe "Krüppel aus dem Sack" und er gründet die Zeitschrift Mondkalb.

Mit 51 Jahren lässt sich Vernaldi für die Rechte der Behinderten an einem Kran aufhängen.


Regie: Ulrike Bajohr
DLF 2011