"Im ganzen Lande wütet die Seuche!"

Von Peter Zudeick |
"Im ganzen Lande wütet die Seuche! Es ist nicht der Typhus. Es ist der Humor." Erich Kästner wütete mit diesen Worten gegen den Karneval. Und gegen die Humoristen: "Klamottenfritzen, die, in Amüsierlokalen und in zu knappen Jacketts, unappetitliche Witze von sich geben." Ähnlich Karl Kraus, der deutschem Humor die Atmosphäre der Unappetitlichkeiten zuschrieb, mit nichts beschäftigt als mit Fressen und Saufen.
Dass die Deutschen entweder gar keinen oder bestenfalls den falschen Humor haben, gilt als ausgemacht: Der spezifisch deutsche Humor gilt als grobschlächtig, heißt es, ihm fehlen die britische Schärfe, der französische Geist, die südländische Leichtigkeit. Weil die Deutschen sich und alles zu ernst nehmen, sind sie - so sagt man - von Natur aus schwermütig und grüblerisch, also dem Humor gar nicht zugänglich. Oder eben platt und plump.

Aber Vorsicht: Die Abneigung gegen die lärmende und brüllende Fröhlichkeit, gegen unseren schenkelklatschenden Biedersinn könnte das Ergebnis eines schlichten Vorurteils sein. Genährt von einer intellektuellen Vorliebe fürs Feinsinnige. Doch die Kunst der geschliffenen Pointe ist eben nur eine Erscheinungsform von Humor. Die Leichtigkeit und Gelassenheit im Umgang mit der Mitwelt gehören ebenso dazu wie die vitale Freude am Reichtum des Lebens und der Spaß am puren Blödsinn.