Hörspiel: Unbequeme Erinnerungen im Sauerland

    Idylle

    54:03 Minuten
    Zwei Personen sind beim Wassertreten in der Ruhr auf einem Kneipp-Wanderweg bei Olsberg im Sauerland zu sehen. Rechts und links befinden sich Bäume, durch die Sonnenlicht fällt, im Hintergrund ist eine Holzbrücke zu sehen.
    Im Dorf seiner Kindheit gab es in den Siebziger Jahren einen schrecklichen Vorfall. Daran erinnern möchte sich niemand. © imago / Jochen Tack
    Von Josef Maria Schäfers  · 21.09.2022
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    Herbst 1977. Zeit des Kalten Krieges und der RAF. Auch im Dorf des damals fast 10-jährigen Josef ist das zu spüren. Damals passiert etwas Schreckliches. Daran erinnern möchte sich niemand, und dem Autor wird geraten, nicht in alten Wunden zu bohren.
    Vielleicht sollten die alten Dorfgeschichten ruhen. Das tun sie aber nicht, sie gehen dem Autor nicht aus dem Kopf. „Solange Deine Mutter hier wohnt, würde ich nicht in der alten Wunde bohren“, rät ihm sein Freund aus dem Sauerland. Tatsächlich scheint in diesem Dorf, wenn es um die Ereignisse in jenem Herbst geht, ein kollektiver Gedächtnisschwund stattgefunden zu haben. Also gilt es, den eigenen Erinnerungen an diesen Spätsommer zu folgen: Die Gerüchte der Erwachsenen über den Bürgermeister des Dorfes mischen sich in den Gedanken des Jungen mit den Berichten über die Ereignisse im Deutschen Herbst. Bilder von maskierten Terroristen tauchen da auf, das Wort Rufmord, Maschinengewehre ... Erinnerung oder Fiktion?

    Idylle
    Hörspiel von Josef Maria Schäfers
    Regie: Giuseppe Maio und Stella Luncke
    Mit: Sven Hönig, Thomas Krutmann, Guntbert Warns, Volker Weidlich, Thomas Weppel, Klaus Hoser, Martin Horn, Michael Wittenborn, Christian Maria Goebel, Maximilian Löwenstein, Peter Miklusz, Ernst Stötzner, Meike Rötzer, Sigrid Maria Schnückel, Eva-Maria Kurz, Carla Becker, Enno Luncke, Maxim Bugenhagen und Enea Maio
    Ton: Alexander Brennecke
    Technik: Eugenie Kleesattel
    Produktion: Deutschlandfunk Kultur / WDR 2019
    Länge: 53’57


    Josef Maria Schäfers, geboren 1968, , Radioautor und -produzent, lernte ursprünglich Schmied und Tischler und lebt seit 1997 als Medienkünstler in Berlin. Mitorganisator des Berliner Hörspielfestivals. Gemeinsam mit Stella Luncke schreibt und produziert er Hörspiele, Features und akustische Kunst für verschiedene öffentlich-rechtliche Radiosender. 2015 ARD-PiNBall für das Kurzhörspiel „Wo sind die bloß?“. Für Deutschlandradio u.a.: „Aerosol. Graffiti, die Ästhetik des Chaos“ (2004), „Fluchtpunkte“ (2007), „Es hat was mit dem Blick zu tun – Verkäufer, Diebe, Detektive“ (2007), „Passé“ (2010), „Vorübergehend aufgenommen“ (2012), „Protestieren für Fortgeschrittene“ (2012), „Sommercamp“ (2016), „Wahnsinn Familie!“ (2017). Zuletzt das sechsteilige Feature „Schule“ (Deutschlandfunk Kultur 2021).

    „Idylle“ wurde von der Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen gefördert.