Frauenliteraturmonat: Über Frauenliteratur

    Mehr Schmalz als Hirn?

    49:45 Minuten
    Frau im Rapsfeld (Symbolbild)
    Frauenromane: Veraltetes Frauenbild oder emanzipatorischer Effekt? © imago / Westend 61
    Von Ulrike Schäfer · 15.10.2021
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    Jeder kennt sie, die Bücher mit Blümchen oder Cupcakes auf dem Cover. Sogenannte Frauenromane gehören zu den erfolgreichsten Büchern hierzulande. Warum eigentlich? Und sind sie tatsächlich so trivial und klischeehaft wie ihr Ruf, vielleicht sogar Instrumente des Patriarchats?
    Die Genres heißen Sexy Romance, Cosy Crime oder Happy Tears: Frauen greifen oft zu Büchern, die gemeinhin als seicht belächelt werden und in denen die Hauptpersonen oft nichts Besseres zu tun haben, als um ihren Traummann zu kreisen. Aber stimmt das noch? Geht es in den Romanen heute nicht längst um andere Inhalte?
    Annette Peitz-Orzeszko und Heike Mißler haben sich als Wissenschaftlerinnen mit dem Genre befasst. Die eine verzweifelt an dem Frauenbild darin, die andere glaubt an einen emanzipatorischen Effekt.
    Die Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy hat mehr als sechs Millionen Bücher verkauft, nimmt sich Kritik aber zu Herzen. In ihrem nächsten Roman wird die Heldin zum ersten Mal aus eigener Kraft ihr Glück finden – und nicht wie bislang, nur weil es die Umstände gut mit ihr meinten.
    Die Hamburger Schriftstellerin Verena Carl ist nach einem Ausflug ins Genre zur Literatur zurückgekehrt: weniger Schema F, mehr gedankliche Tiefe.

    Der Autor Michael Meisheit publiziert auch unter dem Pseudonym Vanessa Mansini
    Der Autor Michael Meisheit publiziert auch unter dem Pseudonym Vanessa Mansini© Steven Mahner
    Michael Meisheit war 20 Jahre lang Drehbuchautor bei der "Lindenstraße". Heute ist er Self Publisher von Liebesromanen – und ein großer Fan von Klischees. Auch Maike Mia Höhne, Autorin und Regisseurin, plädiert nicht für ein Ende der Stereotype, sondern für eine Schärfung des Bewusstseins.
    Und dann sind da noch die Leserinnen: Drei Frauen erzählen, warum sie Frauenromane schätzen und warum sie sich eher darin wiederfinden als in einem Buch von Jonathan Franzen.



    Frauenliteraturmonat
    Mehr Schmalz als Hirn?

    Was Frauen lesen
    Von Ulrike Schäfer
    Regie: Matthias Kapohl
    Sprechen: Sigrid Burkholder, Nikolai Knackmuss, Agnes Pollner
    Ton und Technik: Daniel Dietmann, Christoph Rieseberg und Jens Müller
    Redaktion: Tina Klopp
    Produktion: Deutschlandfunk 2018
    Wiederholung vom 16.11.2018

    Ulrike Schäfer, geboren 1971, schreibt als Journalistin für Wirtschafts-, Frauen- und Gesellschaftsmagazine und hat als Buchautorin mehrere Romane veröffentlicht. Sie lebt in Köln.