Düstere Klangkunst aus Brasilien

    DYSTOPIE

    49:40 Minuten
    Jede Dystopie trägt den Keim einer Utopie in sich.
    Jede Dystopie trägt den Keim einer Utopie in sich. © Thom Kubli
    Von Thom Kubli, Chico Mello und Fernanda Farah · 02.04.2021
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    Die Zukunft Brasiliens klingt bedrohlich. Das gilt zumindest für die künstlerischen Positionen beim DYSTOPIE sound art festival 2020. Wir senden Konzertmitschnitte von Chico Mello und Fernanda Farah und Thom Kubli.
    Nicht nur in der Fiktion haben Dystopien in den letzten Jahren immens an Bedeutung gewonnen. Auch in der Realität häufen sich Anzeichen dystopischer Szenarien, ob in autoritär geführten Staaten oder durch die immer drastischeren klimatischen Entwicklungen – und nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie. Gleichzeitig trägt gerade die fiktionale, künstlerische Dystopie immer auch den Keim der Utopie in sich. So zu hören beim DYSTOPIE sound art festival, dessen dritte Ausgabe 2020 dem Gastland Brasilien gewidmet war.
    Wir bringen zwei Konzertmitschnitte aus dem Festivalprogramm:
    De-consolation
    Von Chico Mello und Fernanda Farah
    De-consolation basiert auf Textfragmenten des zeitgenössischen brasilianischen Schriftstellers André Sant‘Anna: Eine Mischung aus Witz, Ironie und Zynismus. Menschlich verarmte Figuren werden den grausamen Wucherungen unserer hypermedial-geldgierigen Welt gegenübergestellt. Kompositorisch orientiert sich das Stück an den Vokalen: Sie generieren die Abfolge der Tonhöhen, wodurch die starke Musikalität der Texte hörbar wird. In Kooperation mit dem Ensemble Adapter.
    Die deutsche Übersetzung der Texte von André Sant’Anna als PDF.
    BRAZIL NOW
    Von Thom Kubli
    Field Recordings von sozialen Unruhen in den Straßen der Megastadt São Paulo werden mittels künstlicher Intelligenz analysiert. Die Software sucht nach akustischen Memes, Texturen und Rhythmen, tastet die Symptome des Turbokapitalismus ab. Die Ergebnisse werden zur Grundlage für eine Partitur und deren Interpretation durch ein Musikensemble.

    Ursendung
    DYSTOPIE
    Von Thom Kubli, Chico Mello und Fernanda Farah
    Konzertmitschnitt vom DYSTOPIE sound art festival am 25. Oktober 2020 in der Alten Münze Berlin
    Mit: Ensemble Adapter: Kristjana Helgadóttir (Flöte), Ingólfur Vilhjálmsson (Klarinette), Gunnhildur Einarsdóttir (Harfe), Matthias Engler (Perkussion)
    Ton: Christian Fischer und Jean Szymczak
    Produktion: Deutschlandfunk Kultur/ DYSTOPIE sound art festival 2020/2021
    Länge: 54'30

    Thom Kubli, geboren 1969, lebt als Künstler und Komponist in Berlin. Seine Installationen und Performances sind multidisziplinär und verbinden Elemente von Skulptur, Klang und Konzeptkunst. In seinen Arbeiten nutzt er häufig analytische Technologien, um kulturelle und politische Prozesse zu hinterfragen.
    Chico Mello ist Komponist, Performer, promovierter Musikwissenschaftler und Musikpädagoge. Internationale und interkulturelle Arbeit im Bereich der experimentellen, improvisierten Musik sowie des Musiktheaters und der brasilianischen Popularmusik.
    Fernanda Farah absolvierte Ausbildungen in Schauspiel, Musik, Tanz und Gesang in Brasilien, Chile, Nicaragua und Berlin. Seit 2000 entwickelt sie eigene Projekte. Sie ist Ko-Kuratorin der Serie "Labor Sonor" im Kunsthaus KuLe, Berlin.