Der „Goethe der DDR“ revisited

Gespräche über den abwesenden Herrn Hacks

54:31 Minuten
Peter Hacks - einer der profiliertesten Dramatiker der DDR, der sich als Essayist, Kinderbuchautor und Autor von Hör- und Fernsehspielen einen Namen gemacht hat (undatierte Aufnahme).
Peter Hacks - einer der profiliertesten Dramatiker der DDR, der sich als Essayist, Kinderbuchautor und Autor von Hör- und Fernsehspielen einen Namen gemacht hat (undatierte Aufnahme). © picture-alliance / dpa
Von Jan Decker · 20.11.2021
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Er war der meistgespielte Dramatiker in beiden deutschen Staaten und ist auf heutigen Bühnen abwesend. Lebenslang hielt er an der DDR fest und umgab sich mit der Aura des Dichterfürsten. Zeit für einen neuen Blick auf Peter Hacks.
Hatte die DDR einen Goethe, und hieß er Peter Hacks? Peter wer? Lange Zeit war der Schriftsteller auf deutschen Bühnen allgegenwärtig, vor allem mit seinem Dauerbrenner "Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe". Aus München einst in die DDR gezogen, konnten weder Stasi noch Westpresse ihn richtig einordnen. War der eigenwillige Hacks am Ende ein Oppositioneller – oder doch ein hundertprozentiger Verteidiger des ostdeutschen Staates über dessen Ende hinaus, wie es schien? Auf jeden Fall bildete Hacks seine eigene Kategorie: Kein anderer schrieb nach 1945 opulente Versdramen, kein anderer bewohnte in den Sommermonaten ein burgartiges Anwesen bei Berlin, kein anderer hatte in der DDR Hausangestellte. Auch seine Arbeitsgruppen an der Akademie der Künste der DDR, in denen er gelehrigen Schülern die Kunst des Dramas beibrachte, seine erotischen Gedichte und seine extrem polemischen, aber immer unterhaltsamen Essays weisen ihn als einen Dichterfürsten aus, einen sozialistischen Goethe, der bemüht war, eine klassische Literatur der DDR herauszubilden. Obwohl Peter Hacks schon lange vom Erfolgsautor zur Randfigur geworden ist, hält sich bis heute eine kleine, aber bedeutende Schar von Anhängern, Weggefährten, Kritikern, die mehr oder weniger Hacksianer sind. Jan Decker besucht sie und spricht mit Jens Sparschuh, Kerstin Hensel, Dietmar Dath, dem jungen Kabarettisten Marco Tschirpke und vielen anderen über den abwesenden und doch auf seine spezielle Art weiterhin sehr präsenten Herrn Hacks.

Ursendung
Gespräche über den abwesenden Herrn Hacks
Der "Goethe der DDR" revisited
Von Jan Decker
Regie: Beate Ziegs
Mit: Axel Wandtke als Peter Hacks, Cathlen Gawlich als Pasiphaë und Florian Lukas als Jan Decker
Im O-Ton: André Thiele, Christel Berger, Friedrich Dieckmann, Thomas Keck, Matthias Oehme, Jens Sparschuh, Dietmar Dath, Kerstin Hensel, Rayk Wieland, Peter Hacks, Stefan Ripplinger, Marco Tschirpke, Jan Decker, Bernadette Grubner
Ton: Hermann Leppich
Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2021
Länge: 54'26
Mit Ausschnitten aus der Volksbühnen- Produktion des Stücks „Margarete in Aix“ aus dem Jahr 1973, aus dem DEFA-Film „Erfurt – Gesichter eines Bezirkes“, 1987, und aus einem MDR-Fernsehbeitrag von Rayk Wieland aus dem Jahr 2008. MfS-Bericht zu Peter Hacks mit freundlicher Genehmigung des Bundesarchivs, Stasi-Unterlagen-Archiv, Berlin.

Jan Decker, geboren 1977 in Kassel, lebt als Autor in Wien. Schreibt vor allem Hörspiele und Features. "Jaco Pastorius‘ Gang durch den Schnee von Rheidt nach Havona" (DKultur 2011), "Morgenland und Abendland" (DKultur 2013), "Der Bergfex" (RBB 2017), "Texas Pattis Karnevalsparty" (Deutschlandfunk Kultur 2017) u.v.a. Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Johann-Gottfried-Seume-Literaturpreis für seinen 2017 erschienenen Roman "Der lange Schlummer". Zuletzt: "Brexit Blues" (Kriminalhörspiel, NDR 2021).