Bibel und Politik in Israel

    Graben nach Gott

    Ein Blick auf die Jerusalemer Altstadt mit der Kirche des Heiligen Grabes.
    Blick auf die die Altstadt von Jerusalem © picutre alliance / dpa / Artur Widak
    Von Daniel Cil-Brecher · 06.03.2021
    Der Untergrund von Jerusalem ist jüdisch, muslimisch, christlich und kanaanitisch. Aber wonach wird gegraben? Archäologinnen und Archäologen müssen erkennen, dass ihre Profession politisch instrumentalisiert wird.
    Hat es die Schlacht von David und Goliath wirklich gegeben? Waren die Philister tatsächlich ein brutales, kampfbereites Volk, wie die Bibel schreibt? In Israel wird von der Archäologie erwartet, dass sie handfeste, objektive Beweise für solche Erzählungen der Bibel liefert.
    Nach Jahrzehnten der Instrumentalisierung wehren sich israelische Archäologen jetzt dagegen, ihre Wissenschaft weiter in den Dienst der nationalen Geschichtserzählung und der Auseinandersetzung mit den Palästinensern zu stellen.
    Der Streit dreht sich vor allem um die Frage, ob die israelische Archäologie zu stark von biblischen Legenden ausgeht und sich nicht genug um die Spuren anderer Kulturen des Landes kümmert. Eine der Schlüsselkontroversen in der Debatte um die Politisierung betrifft die Geschichtlichkeit der Königreiche von David und Salomon – und damit den Streit über Staatsgrenzen und den Status Jerusalems als "ewiger Hauptstadt" Israels. Der Autor besucht Ausgrabungen in Jerusalem, Shiloh und im Elah-Tal und trifft die dort arbeitenden Archäologen.

    Graben nach Gott
    Bibel und Politik in Israel
    Von Daniel Cil-Brecher
    Regie: Phillipp Bruehl
    Mit: Ulrich Noethen, Bernt Hahn, Daniel Berger, Andreas Potulski, Axel Gottschick, Wolf Aniol, Jonas Baeck, Gerhard Mohr und Edda Fischer
    Ton: Gerd Nesgen
    Produktion: WDR 2020
    Länge: 53'57

    Daniel Cil-Brecher, geboren 1951 in Tel Aviv, ist Historiker und Publizist. Er studierte Geschichte und Philosophie, arbeitete an der Universität Haifa und in der Gedenkstätte Yad Vashem. 1983 wurde er Direktor des Leo Baeck Instituts in Jerusalem. Er lebt heute in den Niederlanden. Zuletzt: "Ist das antisemitisch? Erkundungen eines deutschen Dilemmas" (WDR 2019).