Abgründe katholischer Aufarbeitung

    Bischöfe im Nebel

    44:53 Minuten
    Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz nehmen am Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Fuldaer Dom teil. Die deutschen Bischöfe treffen sich traditionell im September am Grab des heiligen Bonifatius in der osthessischen Domstadt. Bei dem dreitägigen Treffen steht der Reformprozess unter dem Stichwort «Synodaler Weg» im Fokus.
    Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz © picture alliance/dpa | Arne Dedert
    Von Gaby Mayr · 14.09.2021
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    Der Pfarrer begeht seit Jahrzehnten sexuelle Übergriffe an jungen und abhängigen Männern, immer knapp unterhalb der Grenze zur Strafbarkeit. Die Verantwortlichen im Bistum wissen Bescheid, aber auch der derzeitige Bischof scheut den Konflikt und schweigt.
    Sein Kollege im Osten gibt sich erschüttert über die sexuellen Gewalttaten, die in jüngster Zeit ans Licht gekommen sind. In seiner Bistumsverwaltung jedoch werden die Opfer als krank, verwirrt oder als Querulanten bezeichnet. Öffentlich wird nur eingestanden, was sich nicht mehr verheimlichen lässt.
    Und in der ältesten Diözese Deutschlands, an deren Spitze der „Missbrauchsbeauftragte” der Bischofskonferenz steht, läuft das Seligsprechungsverfahren für einen Geistlichen, dessen sexualisierter Machtmissbrauch bewiesen ist.
    Das doppelte Spiel der katholischen Kirchenoberen geht weiter. Sie bekunden Scham und manche veranlassen engagierte Maßnahmen zu Aufarbeitung und Prävention. Aber das Muster von Zögern statt Zupacken, von Verzögern und Verharmlosen bleibt.
    Betroffenen sexualisierter Gewalt werden Nebenrollen im Rahmen kirchlicher Strukturen angeboten. Sie werden mürbe gemacht beim Weg durch die Aufarbeitungsapparate. Dabei wird deutlich: Opfer sind längst nicht nur Minderjährige.
    WARNUNG: Das Feature enthält Beschreibungen sexualisierter Gewalt, die verstörend und retraumatisierend wirken können.

    Bischöfe im Nebel
    Abgründe katholischer Aufarbeitung
    Von Gaby Mayr

    Regie: Claudia Kattanek
    Es sprachen: Claudia Mischke, Jochen Langner, Katherina Wolter und Volker Hengst
    Ton und Technik: Wolfgang Rixius
    Redaktion: Wolfgang Schiller
    Produktion: Deutschlandfunk 2021

    Dr. Gaby Mayr, geboren in Köln, Studium der Wirtschaftswissenschaften. Freie Journalistin für Hörfunk und Print, mehrere Journalistenpreise. Zuletzt: "Juliane-Bartel-Preis" für "Schwangerschaftsabbruch. Ein Tabu und seine Folgen" (Dlf/SR 2018).